Wissenschaft
Forschende der Universität Bern haben in einer wegweisenden Studie herausgefunden, dass die Anzahl der Geschwister und die Qualität ihrer Interaktionen entscheidend für die Entwicklung sozialer Kompetenzen bei afrikanischen Buntbarschen sind. Diese Erkenntnisse könnten weitreichende Implikationen für die Verhaltensforschung und das Verständnis sozialer Beziehungen in der Tierwelt haben.
Forschende der Universität Bern haben den Einfluss von Geschwistern auf die Entwicklung lebenslanger Sozialkompetenz bei afrikanischen Buntbarschen untersucht. Zum ersten Mal zeigen sie in einem Experiment, dass zwei Faktoren dafür entscheidend sind: die Anzahl der Geschwister, die die Jungfische um sich haben, sowie die Qualität ihrer Interaktionen. Das soziale Umfeld, das Lebewesen während ihrer Entwicklung erleben, spielt eine wichtige Rolle bei der Ausbildung sozialer Kompetenz, insbesondere im geschwisterlichen Umfeld.
Die Studie wurde von Barbara Taborsky, Professorin für Verhaltensökologie, und Bruno Camargo dos Santos, Doktorand an der Universität Bern, durchgeführt. In einem Langzeit-Experiment zeigen sie, dass sowohl die Geschwisteranzahl als auch die Interaktionsqualität entscheidend für die Entwicklung der Sozialkompetenz bei diesen Fischen sind. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.
Um die Einflüsse der Geschwisteranzahl und Interaktionen voneinander zu trennen, entwickelten die Forschenden einen innovativen Versuchsaufbau. Sie zogen kleine und grosse Bruten von afrikanischen Buntbarschen unter kontrollierten Bedingungen auf und variierten die Möglichkeiten für Interaktionen. So konnten sie Gruppen vergleichen, in denen die Geschwister ungehindert interagieren konnten, mit solchen, in denen der Kontakt durch eine Glaswand eingeschränkt war.
Die Ergebnisse zeigen, dass weder die Anzahl der Geschwister noch die Interaktionen allein die soziale Kompetenz der Buntbarsche vorhersagen. Erst das Zusammenwirken beider Faktoren fördert die soziale Kompetenz zuverlässig. Auch wenn es in der Vergangenheit Diskussionen über die Bedeutung von Gruppengröße versus Interaktionsqualität gab, konnten die Forschenden beide Faktoren in dieser Studie getrennt untersuchen.
Die Untersuchung ergab, dass Fische, die in grösseren Bruten aufwuchsen, schon im Jugendalter mehr Annäherungsverhalten zeigten und später sozial kompetenter waren. Dies zeigte sich in ihrem Verhalten gegenüber ihren Geschwistern. Sozial kompetentere Fische konnten sich besser an Konfliktsituationen anpassen und agierten weniger aggressiv.
Die Forschung hat zudem gezeigt, dass die geschwisterliche Umgebung für die Entwicklung der Sozialkompetenz entscheidend ist, ähnlich wie beim Menschen. Ein nächster Schritt der Forschungsgruppe wird sein, die Effekte bei nicht-verwandten Jungfischen zu untersuchen und zu prüfen, ob die Kombination von Gruppengrösse und Interaktionsqualität allgemein wichtig ist. Darüber hinaus möchten die Forschenden die Effekte von Sozialkompetenz auf die Überlebenswahrscheinlichkeit und den Reproduktionserfolg der Buntbarsche näher untersuchen.
(Quelle:Universität Bern Bearbeitet mit ChatGPT)
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