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Wirtschaft

10 Jahre Dirty Diesel: Schweiz muss das giftige Geschäftsmodell ihrer Rohstoffhändler endlich stoppen

Vor exakt zehn Jahren deckte Public Eye auf, wie Trafigura & Co in Westafrika toxische Treibstoffe aus eigener Produktion verkauften, die in Europa längst verboten waren. Die «Dirty Diesel»-Recherche und -Kampagne machten diesen Skandal weltweit sichtbar und trugen dazu bei, dass mehrere westafrikanische Staaten ihre Schadstoffstandards massiv verschärften. Doch weil die Schweiz ihren Rohstoffplatz immer noch nicht reguliert hat, fliesst der dreckige Diesel weiter.

2026-09-15 16:20:06
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Quelle: Public Eye

Mitte September 2016 zeigte Public Eye nach dreijähriger Recherche: Konzerne wie Trafigura, Vitol oder Addax & Oryx nutzten laxe Vorschriften aus, um Diesel und Benzin mit extrem hohen Schwefelwerten in Westafrika zu verkaufen. Einzelne Proben enthielten bis zu 378-mal mehr des Schadstoffs als in der Schweiz erlaubt. Diese «African Quality» genannte Ware verschmutzt die Luft in Städten wie Accra oder Lagos und gefährdet die Gesundheit von Millionen Menschen.Die auf diesen Befunden basierende Kampagne «Return to Sender» machte Druck auf den Schweizer Rohstoffhandel: Gemeinsam mit Partnerorganisationen aus Westafrika wurde ein Container mit «Dreckluft» aus Accra bis vor die Genfer Büros von Trafigura gebracht. Zugleich verlangten fast 20’000 Menschen vom Konzern, auch in Afrika nur noch Treibstoffe mit europäischen Maximalwerten zu verkaufen. So wurde die Aktion, mit der die damalige Erklärung von Bern auch ihr Rebranding zu Public Eye kommunizierte, zum Sinnbild für den Kampf gegen toxische Doppelstandards und ihre Profiteure.Und sie hatte Wirkung: Ghana senkte den erlaubten Schwefelgehalt für Dieselimporte von 3000 auf 50 ppm; Nigeria, Benin, Togo und die Elfenbeinküste folgten. Einige Jahre später beschloss die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) den 50-ppm-Standard für alle Mitgliedsländer und importierten Treibstoffe. Auch Europa reagierte: Die Niederlande verboten 2023 die Herstellung und Ausfuhr besonders schwefelhaltiger Treibstoffe, Belgien zog nach.Doch das giftige Geschäftsmodell floriert weiter. Produktion und Export von Dirty Diesel haben sich in andere europäische Länder verlagert, Kontrollen in Westafrika bleiben lückenhaft und Schweizer Rohstoffhändler nutzen beides immer noch schamlos aus. Public Eye fordert deshalb ein EU-weites Verbot der Herstellung und Ausfuhr von Treibstoffen, die europäischen Qualitätsstandards nicht genügen, die konsequente Umsetzung und Kontrolle des 50-ppm-Standards in Westafrika sowie griffige Regeln für den Schweizer Rohstoffplatz.Dazu gehören eine Rohstoffmarktaufsicht und verbindliche menschenrechtliche und ökologische Sorgfaltspflichten, wie sie die zweite Konzernverantwortungsinitiative vorschlägt. Da der Gegenvorschlag des Bundesrats dazu den risikoreichen Rohstoffplatz weitgehend ausblendet, hat Public Eye in der kürzlichen Vernehmlassung einen konkreten Verbesserungsvorschlag eingebracht.



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