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«Sicher Aufbewahren» heisst der Auftrag ans Stadtarchiv – nicht «digitalisieren». Roland Gerber und sein Team digitalisieren trotzdem. Warum, erzählt er im Gespräch.
«Sicher Aufbewahren» heisst der Auftrag ans Stadtarchiv – nicht «digitalisieren». Roland Gerber und sein Team digitalisieren trotzdem. Warum, erzählt er im Gespräch.Wir haben einen Teil unseres digitalen Fotobestands auf die Plattform Archipanion (stadtbern.archipanion.com) hochgeladen. Dort lässt sich seit Kurzem nach Fotos suchen, indem künstliche Intelligenz und menschliche Eingaben gemeinsam verwendet werden.Die KI-Suche erkennt auf Fotos alltägliche Objekte wie Fahrräder oder Blumen, aber auch ganze Szenen sowie Schriftzüge. Unsere Mitarbeitenden haben bei den Fotos sogenannte Metadaten hinterlegt, das sind Stichworte zum Inhalt der Fotos. Die Kombination von KI-Suche und Metadaten führt dazu, dass mehr passende Bilder zu einer Anfrage gefunden werden. Die Metadaten beschreiben nicht alle Elemente auf einer Aufnahme. Dagegen findet die KI keine Personen oder Gebäude. Gegenseitig ergänzen sie sich optimal. Wichtig ist auch die freie Wahl der Suchfunktion: Es ist möglich, nur anhand der Metadaten zu suchen und die KI-Szenenerkennung auszuschalten, oder sie mit der KI-Schrifterkennung zu kombinieren. Beim Klick auf ein angezeigtes Foto wird sofort sichtbar, mit welcher Suche das Bild gefunden wurde.Machen wir ein Beispiel und suchen nach «Wasserfallen». Es kommen hundert Bilder wie diese:Weil wir aus Kostengründen erst einen kleinen Teil unseres Fotobestands auf der Plattform Archipanion hochgeladen haben, darunter sind noch keine Sammlungen von prominenten Persönlichkeiten. Zudem würde ein Porträtfoto von Kurt Wasserfallen in diesem Bestand nur dann gefunden, wenn sein Name in den Metadaten steht. Vor allem bei Gruppenfotos ist dies jedoch nur selten der Fall.Im Moment noch nicht. Daran arbeiten wir aktuell. KI-Modelle sind ja grundsätzlich gut darin, Personen zu identifizieren. Wir bringen der KI bei, in unseren Fotobeständen prominente Persönlichkeiten aus der Stadt Bern zu erkennen. Wir sagen ihr etwa: «Auf diesem Foto ist die frühere Gemeinderätin Therese Frösch zu sehen.» Dann durchsucht die KI unseren Fotobestand und schlägt weitere Fotos mit Frauen vor, die ähnlich aussehen. So können wir die KI trainieren: Wir melden ihr zurück, welche Fotos tatsächlich Frau Frösch zeigen und welche nicht. Meistens liegt die KI richtig. Es ist eindrücklich, wie gut sie funktioniert, auch wenn eine Person auf verschiedenen Fotos mal jünger, mal älter ist, oder von der Seite fotografiert wurde.Bei Fotos von prominenten Personen im öffentlichen Raum ist das kein Problem. Natürlich sind auch Privatpersonen auf historischen Fotos zu sehen, zum Beispiel am Zibelemärit oder an der Fasnacht. Aber meistens wissen wir selbst nicht, wer die Personen sind – und wenn wir es wüssten, würden wir es der KI nicht mitteilen.Seit Anfang 2026 hat die Stadt Bern eine neue Digitalstrategie unter dem Motto «Einfach für alle». Eine Serie von Gesprächen in der MAZ zeigt, wie sie mit unserem Arbeitsalltag verbunden ist.Ein Leitprinzip der Strategie ist die Bedürfnisorientierung. Es besagt, dass die Stadt Bern den Menschen und den Nutzen für Bevölkerung und Wirtschaft ins Zentrum des Denkens und Handelns setzt. Das Stadtarchiv macht seine Bestände digital zugänglich, so dass sie nicht mehr nur sicher aufbewahrt sind, sondern auch von Zuhause aus einfach genutzt werden können.Es ist für uns das «Zückerli» bei der täglichen Arbeit, die recht herausfordernd ist. Wir sind laufend daran, Dokumente aus dem Stadtarchiv zu erschliessen und zu konservieren, also so zu verpacken und zu beschreiben, dass sie auch in hundert Jahren noch gelesen und verstanden werden können. Mit dieser Arbeit werden wir zu Lebzeiten niemals fertig, bisher sind nur etwa 30 Prozent aller Papierdokumente erschlossen. Wir möchten aber auch einen Gewinn aus unserer Arbeit herausholen, den wir selbst erleben. Die Digitalisierung ist eine Möglichkeit, unsere tägliche Arbeit sichtbarer und besser nutzbar zu machen. Damit steigt das Interesse am Stadtarchiv. Es ist schön, wenn Leute sagen, «Wow, ich wusste gar nicht, was für spannende Informationen bei euch vorhanden sind!»Genau. Zudem macht es Spass, die historischen Daten auf moderne Weise zu präsentieren. Wir sind die erste Generation, die das umsetzen kann. Die Technik macht täglich Fortschritte und wir fragen uns, 'was bedeutet das für uns'. Wir wollen Neues ausprobieren. Die meisten Menschen denken bei Innovation und KI nicht ans Archiv. Doch gerade bei uns liegen enorm viel Wissen und Informationen brach – also genau das, was KI-Systeme brauchen. Im Archiv können sie sich austoben.