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Archäologischer Dienst - Tag der offenen Grabung in Heimberg

2021-09-27 08:05:03
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Quelle: Kanton Bern

Am Mittwoch, 29. September 2021 lädt der Archäologische Dienst des Kantons Bern zum Tag der offenen Grabung in Heimberg ein, wie der Kanton Bern meldet.

Zu sehen seien ein einzigartig gut erhaltener Töpferofen und viele Funde aus der Blütezeit der Heimberger Keramikproduktion im 18. und 19. Jahrhundert.Im Gebäude an der Bernstrasse 310 in Heimberg befand sich spätestens ab 1815 eine Hafnerei. Das Haus bestand aus zwei Teilen: Der östliche, kleinere Teil stammt von 1806 und wurde 1833 mit einem grösseren Anbau nach Westen erweitert.

Im Jahr 1850 wurde eine zweite Hafnerei eingerichtet. Sämtliche im Haus arbeitenden Hafnerfamilien seien namentlich bekannt.

Der letzte Hafner aus der Töpferfamilie Loder stellte den Betrieb im Jahr 1932 ein. Da das seither anderweitig genutzte Haus einem Neubau weichen muss, führt der Archäologische Dienst des Kantons Bern aktuell eine Rettungsgrabung durch, um die kulturhistorisch wertvollen letzten Zeugen der Heimberger Töpferei zu dokumentieren und der Nachwelt zu erhalten.Bisher habe der Archäologische Dienst den zusammen mit dem östlichen Hausteil erstellten, beinahe in voller Höhe erhaltenen Töpferofen inklusive der Arbeitsgrube und der Einfeuerung ausgegraben.

Vom zweiten Töpferofen haben sich der Aussenmantel, die Feuerungsgrube und die Lochtenne erhalten. In den beiden Öfen fanden sich grosse Mengen an Geschirr, Glas, Eisen und Buntmetall.

Die Funde ermöglichen sowohl Rückschlüsse zum Haushalt als auch zur Produktionsweise der letzten Hafner. Stapelhilfen zum Einräumen der Brennkammer sowie missglückte und halbfertige Stücke zeigen das Produktionsspektrum der jüngsten Hafnereien auf.

Es reicht vom einfachen, glasierten und malhornverzierten Alltagsgeschirr bis zur hochwertigen «Thuner Majolika», die damals an Messen in Paris und London angepriesen wurde.Heimberg war europaweit als überregionales Produktionszentrum für handwerkliche Töpferware bekannt. Die ersten Töpfer wanderten in den 1730er-Jahren aus Langnau im Emmental zu.

Im Verlaufe des 18. und im 19. Jahrhundert stieg die Zahl der Hafnereien stetig. Um 1850 gab es etwa 80 Familienbetriebe und über 50 Töpferöfen.

Bereits um 1860 begann der allmähliche Niedergang des Gewerbes, da industriell gefertigtes Geschirr den Markt überschwemmte. Mit dem Aufkommen des Tourismus im Berner Oberland im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts bot die Herstellung von Souvenirkeramik in Form der sogenannten «Thuner Majolika» den Hafnereien ein neues Geschäftsfeld.

Mit dem Ersten Weltkrieg und der Zwischenkriegszeit folgten Krisenzeiten, die der Heimberger Hafnerei erneut zusetzten. Aber es gibt die «Berner Bauernkeramik» heute noch.

Sie steht sogar auf der Liste der lebendigen Traditionen, welche das Bundesamt für Kultur führt.Am Mittwoch, 29. September 2021, 17–20 Uhr, präsentiert der Archäologische Dienst die Ausgrabung in Heimberg, ehemalige Bernstrasse 310, der Öffentlichkeit. Vor Ort gibt es regelmässige Gruppenführungen durch die Ausgrabung (Beginn der letzten Führung 19.30 Uhr).

Zugang von der Bernstrasse (Bäckerei Linder) her, bitte halten Sie sich an das Leitsystem. Vor Ort stehen keine Autoparkplätze zur Verfügung.

Anreise wenn möglich mit dem Öffentlichen Verkehr (Bahnhof Heimberg), dem Velo oder zu Fuss. Bild anzeigen Der Heimberger Töpferofen während der archäologischen Ausgrabung.

© Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Marco Amstutz Bild anzeigen Der Heimberger Töpferofen während der archäologischen Ausgrabung. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Marco Amstutz.

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