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Der Genderstern ist da – und jetzt?

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    Der Genderstern ist da – und jetzt? (Bild: Stadt Bern)
2022-02-02 09:05:03
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Quelle: Stadt Bern

Seit Mitte Januar gilt für die Mitarbeiter*innen ein neuer Sprachleitfaden zum Thema Kommunikation und Geschlecht, wie die Stadt Bern mitteilt.

Warum es das braucht und weshalb ab sofort der Genderstern eingesetzt werden könne – die MAZ habe bei der Fachstelle nachgefragt.Im neuen Sprachleitfaden finden die Mitarbeitenden viele hilfreiche Beispiele und lernen, wie in der Kommunikation auf respektvolle und achtsame Weise geschlechtliche Vielfalt abgebildet werden kann. Wir stellen Marianne Kauer, seit 2018 Projektleiterin und stellvertretende Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann, vier Fragen zum Thema, die uns unter den Nägeln brennen.Marianne Kauer: Sprache prägt unser Denken: Brauchen wir geschlechtergerechte Sprache, habe dies laut zahlreichen Studien positive Effekte.

Lassen Sie mich das mit einem Beispiel illustrieren: Werden für gewisse Berufe nur männliche oder weibliche Berufsbezeichnungen verwendet, wirkt sich das auf die inneren Bilder aus, die wir im Kopf haben. Wir sehen dann den IT-Spezialisten (und nicht die IT-Spezialistin) oder die Kinderbetreuerin (und nicht den Kinderbetreuer).

Das habe auch reale Konsequenzen für die Berufswahl: Werden für Berufsbezeichnungen entweder neutrale oder weibliche wie auch männliche Formen verwendet, zeigen Mädchen eher Interesse für sogenannte «Männerberufe» und Jungen für sogenannte «Frauenberufe» und ergreifen diese auch öfter. Die Stadt Bern will eine Stadt der Vielfalt, eine Stadt für alle sein. Diskriminierungsfrei zu kommunizieren sei eine wichtige Grundvoraussetzung zum Erreichen dieses Ziels.

Sprache entwickelt sich aber auch immer weiter. Bezeichnungen, Schreibweisen oder Bilder, die heute passen, können nach wenigen Jahren bereits als verstaubt, unpassend oder sogar verletzend empfunden werden.

Bereits 1994 habe der Gemeinderat die sprachliche Gleichbehandlung der Geschlechter beschlossen. Mittlerweile sei das für die meisten Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung eine Selbstverständlichkeit.Wir stellen fest, dass die Kategorien Mann und Frau für manche Menschen zu kurz greifen.

Der Gleichstellungsauftrag der Stadt Bern umfasst bereits seit 2018 explizit auch die Gleichstellung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans, intergeschlechtlichen und weiteren queeren Menschen; kurz LGBTIQ-Menschen. Als Mitglied des internationalen Rainbow Cities Network habe sich die Stadt Bern dazu verpflichtet, deren Anliegen aufzunehmen und Diskriminierung zu bekämpfen.Hierzu gehört auch unser Umgang mit Sprache: Der Genderstern sei eine elegante Lösung, um Personen mit unterschiedlichen Geschlechtsidentitäten abzubilden.

Im neuen Leitfaden «Kommunikation und Geschlecht» werde auf einfache Weise und anhand von konkreten Beispielen ausgeführt, wie Frauen, Männer und auch nicht-binäre Menschen angesprochen und sichtbar gemacht werden können. Neben des Gendersterns bleiben weiterhin geschlechtsneutrale, weibliche und männliche Formen gültig.

Welche Schreibweise sich am besten eignet, hängt davon ab, ob Geschlecht und geschlechtliche Vielfalt sichtbar gemacht werden sollen oder ob diese im konkreten Fall keine Rolle spielen und deshalb neutrale Formen am besten passen.Wir haben das Rad nicht neu erfunden – viele Aspekte seien gegenüber dem vorherigen Leitfaden gleich geblieben. Neu sei neben der optionalen Verwendung des Gendersterns, dass in Formularen standardmässig eine neutrale Anrede zur Verfügung gestellt werden soll.

In allen städtischen Kontaktformularen, die automatisch durch das System erstellt werden, sei diese Option bereits seit Längerem verfügbar. Wer diese Option wählt, werde entsprechend nicht mit «Sehr geehrte Frau Keller» oder «Lieber Herr Rodriguez» angeschrieben, sondern neutral, zum Beispiel mit «Guten Tag Ivana Horvat».

Die Option einer dritten Anrede eignet sich für alle Zielgruppen, insbesondere auch für Kinder und Jugendliche oder für Organisationen. Eine dritte Option solle auch dort zur Verfügung gestellt werden, wo Angaben zum Geschlecht einer Person erhoben werden müssen.

Dabei sei es wichtig, sich beim Erstellen eines Formulars gut zu überlegen, welcher Aspekt von Geschlecht tatsächlich von Interesse ist.Es sei manchmal gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten über die aktuellen Empfehlungen. Häufig werden verletzende Begriffe oder Formulierungen nicht absichtlich verwendet, sondern ganz einfach aus Unbedarftheit und Unwissen heraus.

Am besten schauen Sie in den Leitfaden, um an den vielen Beispielen zu lernen, wie Sie in der Kommunikation geschlechtliche Vielfalt abbilden können. Und halten Sie durch: Geschlechterinklusiv und diskriminierungsfrei zu kommunizieren, werde mit zunehmender Übung immer einfacher! Wenn Sie nicht wissen, wie Sie eine konkrete Sache inklusiv kommunizieren können, zögern Sie nicht, unsere Fachstelle zu kontaktieren.

Wir beraten Sie zeitnah und machen Ihnen konkrete Vorschläge. Es stehen oftmals verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl, die passen.

Wir finden sicher eine Lösung.Sie finden den Sprachleitfaden zum Download sowie weiterführende Links unter www.bern.ch/sprachlichegleichstellung. Dort verweist die Fachstelle auch auf Online-Tools mit geschlechtergerechten Wörterbüchern, diversitätssensible Bilddatenbanken oder eine Seite, auf der Sie hören können, wie der Genderstern korrekt ausgesprochen wird..

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