Wissenschaft
Während auf Bundesebene über das Cannabisprodukte-Gesetz (CanPG) beraten wird, präsentieren die Sozialdirektionen der Städte Bern, Biel und Luzern heute Zwischenergebnisse der SCRIPT-Studie zum regulierten Cannabisverkauf in Apotheken. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein regulierter Zugang den Umstieg auf risikoärmere Konsumformen begünstigt und die Konsumhäufigkeit nicht erhöht.(Feed generated with FetchRSS)
Während auf Bundesebene über das Cannabisprodukte-Gesetz (CanPG) beraten wird, präsentieren die Sozialdirektionen der Städte Bern, Biel und Luzern heute Zwischenergebnisse der SCRIPT-Studie zum regulierten Cannabisverkauf in Apotheken. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein regulierter Zugang den Umstieg auf risikoärmere Konsumformen begünstigt und die Konsumhäufigkeit nicht erhöht.Im Rahmen der SCRIPT-Studie werden die gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen eines regulierten Verkaufs von Cannabis in Apotheken wissenschaftlich untersucht. Die Studienteilnehmenden können verschiedene Cannabisprodukte wie Blüten, Harze und E-Flüssigkeiten, die spezifisch für die Studie hergestellt wurden, in ausgewählten Apotheken – fünf in Bern, drei in Luzern und eine in Biel – beziehen. Gleichzeitig werden die Teilnehmenden von geschultem Personal über den verantwortungsvollen Umgang mit diesen Produkten beraten. Die Städte Bern, Biel und Luzern unterstützen die Studie organisatorisch und neben dem Schweizerischen Nationalfonds auch finanziell. Die unabhängige wissenschaftliche Umsetzung wird von den Universitäten Bern und Luzern durchgeführt.Die Studie zeigt, dass es bei einem regulierten Zugang zu Cannabis nicht zu einem Mehrkonsum kommt – im Gegenteil, es gibt sogar ganz leichte Abwärtstendenzen. Die regulierte Abgabe eröffnet zudem Möglichkeiten zur Schadensminderung, indem Konsumierende zu risikoärmeren Konsumformen wie dem Vaporisieren oder der oralen Einnahme beraten werden. «Im Rahmen der Studie konnten Hinweise gewonnen werden, dass eine regulierte Abgabe über die Apotheken den Umstieg auf potenziell risikoärmere Konsumformen begünstigen kann», führte Studienleiter Reto Auer vom Berner Institut für Hausarztmedizin (BIHAM) der Universität Bern vor den Medien aus. 71 Prozent der Studienteilnehmenden gaben zudem an, in den Studienapotheken erhaltene Informationen zur Risikominimierung in ihrem Umfeld weiterzugeben.65 Prozent der im Rahmen der Studie verkauften Cannabisprodukte sind Cannabisblüten, gefolgt von E-Liquids mit 21 Prozent. Die Preise orientieren sich am illegalen Markt. Da sie jedoch noch eine simulierte Steuer beinhalten, liegen sie leicht über dem Mittelpreis des illegalen Marktes. Mit der Steuer wird unter anderem die Beratungstätigkeit in den Apotheken finanziert. Die konstanten Verkaufszahlen deuten darauf hin, dass der Preis trotz Aufschlag als angemessen akzeptiert wird, auch wenn die Teilnehmenden unter 25 Jahren alt negativer auf die hohen Preisen reagieren als die über 25-jährigen. «Solche Ergebnisse bestätigen die internationalen Erfahrungen, dass steuerliche Massnahmen als wirksame Jugendschutz Massnahme dienen», so Auer.Der Grossteil der Studienteilnehmenden bewerten den Cannabiserwerb in der Apotheke als unkompliziert und professionell, wie Studienkoordinatorin Rebecca Tomaschek vom Berner Institut für Hausarztmedizin (BIHAM) der Universität Bern ausführte. Allein die Möglichkeit, Cannabisprodukte legal und ohne Kontakt zum illegalen Markt beziehen zu können, wird von vielen positiv wahrgenommen, sagte Tomaschek. Als wertvoll erlebten die Konsumierenden die konstante Produktequalität, den sicheren Einkaufsrahmen und die Transparenz in Bezug auf die Inhaltsstoffe. Auch die Zufriedenheit des Verkaufspersonals in den Apotheken im Zusammenhang mit der Pilotstudie sei hoch. Besonders hervorgehoben wurde der äusserst positiv erlebte Kontakt und der angenehme Austausch mit den neuen Kund*innen, wie Tomaschek weiter ausführte.«Die bisherigen Erkenntnisse zeichnen das Bild einer regulierten Abgabe, die nicht nur gesundheitlich sinnvoll ist, sondern auch gesellschaftlich Wirkung zeigt. Damit stützen sie die Stossrichtung des Entwurfes für ein Bundesgesetz über Cannabisprodukte (CanPG), das derzeit in den eidgenössischen Räten beraten wird», sagte Gemeinderätin Ursina Anderegg. «Auch in Biel zeigt sich, dass eine Regulierung gesundheitlich mehr Sicherheit für die Konsumierenden bietet und zu ihrer Entstigmatisierung beiträgt. Die positiven Erfahrungen im Sicherheitsbereich, insbesondere das Ausbleiben von Vorfällen im bisherigen Studienverlauf, sprechen dafür, dass sich eine regulierte Abgabe auch diesbezüglich bewährt», sagte Natasha Pittet, Direktorin für Soziales und Sicherheit in Biel.In der interurbanen Arbeitsgruppe Cannabis (iuAG) engagieren sich Bern, Biel und Luzern zusammen mit weiteren Schweizer Städten seit Jahren aktiv für eine gesundheitsorientierte Cannabisregulierung. «Die Städte haben eine grosse Bedeutung für die Cannabis-Regulierung», betonte Melanie Setz, Sozial- und Sicherheitsdirektorin der Stadt Luzern. Zum Entwurf des Cannabisproduktegesetzes (CanPG) hat die iuAG ein Positionspapier verfasst.SCRIPT ist eine Pilotstudie zum regulierten, nicht-gewinnorientierten Cannabisverkauf für den Eigengebrauch in den Städten Bern, Biel und Luzern. In der Studie werden die Auswirkungen einer kombinierten Intervention, bestehend aus Verkauf und Beratung, auf das Konsumverhalten und die Gesundheit der Konsumierenden untersucht. An der Studie nehmen 777 Personen in Bern, 261 in Luzern und 139 in Biel teil. 78.1 Prozent der Studienteilnehmenden identifizieren sich als Mann, 21.3 Prozent als Frau und 0.6 Prozent mit weiteren Anreden. Die grösste Altersgruppe ist die der 26- bis 35-Jährigen mit 39.1 Prozent. Voraussetzungen für die Teilnahme waren ein bereits bestehender regelmässiger Cannabiskonsum sowie Volljährigkeit.SCRIPT ist eine gemeinsame Studie der Universitäten Bern und Luzern und wurde von der Kantonalen Ethikkommission Bern, der Ethikkommission Nordwest- und Zentralschweiz und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) bewilligt. Sie wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und vom Tabakpräventionsfonds (TPF) unterstützt. Ursprünglich war das Studienende für Oktober 2026 geplant. Das BAG bewilligte inzwischen eine Verlängerung bis Oktober 2028. Mehr Informationen: Studien-Website: www.script-studie.ch
Quelle: Universität Bern > zur Meldung